Die katholische Schatzkarte: Kirchverwirrung

Die katholische Schatzkarte – Thema: Kirchverwirrung

Warum gibt es so viele unterschiedliche Kirchen? Warum gibt es die römisch-katholische Kirche, welcher ich angehöre? Was ist ihr Wesen? Was ist ihre Besonderheit? Meine Frage bezogen auf Sprachen zu stellen, zeigt besser, was ich meine:  „Warum gibt es Französisch? Warum Deutsch? Warum eine „tote“ Sprache wie Latein und eine erfundene Sprache wie Esperanto? Und was war die Ursprache vor der Sprachverwirrung? Und warum musste die 1ne Sprache verwirrt werden? Da steht doch so geheimnisvoll in der Bibel im Buch Genesis: „Von nun an wird ihnen nichts mehr unmöglich sein…Auf, lasst UNS ihre Sprache verwirren„. Und so geschah es. Lese ich das ganze Kapitel, erschliesst sich mir der Grund für die notwendige Sprachverwirrung: die Menschen waren dabei, sich mit einem Leben ohne Gott abzufinden und sich zu organisieren. – Ohne Gott zu leben heisst, ohne Liebe zu leben. Sie liefen dabei Gefahr, sich als Menschheit lieblos selbst zu verwirklichen, statt sich als schwach und bedürftig wahrzunehmen und sich zurück in den übernatürlichen Stand der Gnade hineinversetzen zu lassen.

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Nun übertragen auf die Kirche: Warum gibt es die katholische, evangelische, auch die orthodoxe Kirche, die Freikirchen und die vielen weiteren Zusammenschlüsse (die anderen Religionen mal ausgenommen)? Welche war der Urkirche am ähnlichsten und wieso war es notwendig (?), die 1ne Kirche zu verwirren? Liefen wir denn Gefahr, uns mit einem Leben ohne Gott  abzufinden und uns lieblos zu organisieren?

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Der Vergleich mit der Sprachverwirrung gefällt mir ganz gut. Denn derzeit laufen Versuche, eine neue „Sprache“ zu kreieren, damit die Menschen sich über eine einzige Sprache verständigen können. Diese Kirchensprache nennt man Ökumene. Nichts gegen den Versuch, sich zu verständigen und auf einen Nenner zu kommen, aber was ist Esperanto gegen das Sprachwunder zu Pfingsten? Dort konnte jeder die Jünger in seiner Muttersprache hören und der Heilige Geist hat bestimmt auch die innere Offenbarung geschenkt, die ein wirkliches Verstehen erst ermöglicht. Das kann Esperanto nicht leisten und das kann menschengemachte Ökumene nicht leisten. Die neun Tage Gebet verweisen auf den Weg, wie das notwendige Pfingsten auch in unsere Tage kommt.

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Zurück zum Thema: die katholische Kirche nennt sich selbst die wahre rechtgläubige Kirche. Sie stellt den Anspruch, die Fülle der Heilsmittel zu besitzen. (Vgl. PIUS XII., Enzyklika Mystici corporis: DH 3821). Für mich heisst das übersetzt: „Wir haben die beste Schatzkarte. Wenn du bei uns auf Spurensuche gehst, kommst du so ziemlich sicher beim Schatz an. Wir haben für jedes Wehwechen ein Heilmittel. Nur: höre nie auf zu suchen und vertraue!“ Was es für mich nicht heisst: „Wenn du nicht katholisch bist, kommst du nicht zum Schatz“.  So heisst es auch in der oben erwähnten Enzyklika, dass Gott auch außerhalb auf Wegen führt, die er weiß.

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Was ist denn der Schatz, zu dem die Schatzkarte führt? – Nichts weniger, als Gott selbst zu besitzen! Und wer kann IHN besitzen? – In der Erklärung „Dominus Iesus“ von Kardinal Ratzinger steht erhebend formuliert: „Für jene, die nicht formell und sichtbar Glieder der Kirche sind, ist das Heil in Christus zugänglich kraft der Gnade, die sie zwar nicht förmlich in die Kirche eingliedert – obschon sie geheimnisvoll mit ihr verbunden sind -, aber ihnen in angemessener Weise innerlich und äußerlich Licht bringt.“ Am besten gefällt mir dazu das Bild vom Leib Christi. Wir sind alle in einem Körper geheimnisvoll verbunden. In uns fließt das Leben, welches wir das Blut Christi nennen und Jesus Christus regiert den ganzen Leib als das Haupt.

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Statt der Sprachverwirrung oder Kirchverwirrung habe ich nun die verschiedenen Organe und Glieder am Leib, die alle in einem zusammenwirken. Dabei gibt es die innere Arbeit der Organe und die nach außen wirkende Arbeit der Glieder. Wie spannend! Wo befindet sich denn nun die katholische Kirche in diesem Leib? Ist sie an diesem Leib ein Organ, ein Glied oder etwas nicht Materielles wie die Vernunft? Ist sie vielleicht die allumfassende Hülle? „Katholisch“ heisst ja allumfassend, allumspannend. Ist sie das Herz? Wieder so eine Frage, mit der ich ringe wie Jakob, welcher dem Engel zuruft: „Ich lasse dich nicht – du segnest mich denn!“

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Eines ist aber jetzt schon offensichtlich. Wenn die Niere sagt: heute mach ich mal bei der Galle mit und das Lungenbläschen wechselt zur Tränendrüse, dann haben wir in unserem Körper ein echtes Problem. So ist es auch in der Kirche. Ich höre Jesus rufen: „Seid heiss oder kalt, alles andere werde ich ausspeien aus meinem Mund!“. Echte Ökumene kann keine Vermischung sein, sondern ein sich-ergänzen unter einem Haupt, nämlich Christus. So habe ich es auch bei dem ökumenischem Orden der Brüder von Taizé erlebt: Sie fragen nicht nach deiner Kirchenzugehörigkeit. Sie sagen: Gib dem Ausdruck, was du glaubst.

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Gib dem Ausdruck, was du glaubst! Das ist der erste Schritt, um der drohenden Kirchverwirrung entgegenzuwirken. Und um das auszudrücken, was ich glaube, muss ich mich mit dem beschäftigen, was ich da in meinem Glauben ausdrücke, speziell in der Heiligen Messe. Und so schließt sich der Kreis. Die katholische Schatzkiste muss neu ergründet werden.

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