Eine Frage der Reinheit

Immer und immer wieder läuft es auf das Eine hinaus: Sex oder nicht Sex – das ist hier die Frage…
In vielen Diskussionen und Beiträgen wird über den Zölibat diskutiert: kann man, soll man, muss man als Gott geweihter Mensch enthaltsam leben? Und muss ein Priester allein Gott geweiht sein? Kann er nicht Frau und Kinder haben wie anderswo üblich? Auch über die Situation geschiedener Wiederverheirateter wird diskutiert: warum dürfen neue Partner zwar zusammen wohnen, aber nur zur Kommunion gehen, wenn sie enthaltsam leben? Ist es wirklich allein die sexuelle Enthaltsamkeit, die einen Geschiedenen würdig macht, die Kommunion zu empfangen? Was ist so unglaublich wichtig am Sex, dass sich scheinbar alles darum dreht?
Seit Jahren mache ich mir nun Gedanken über die Gründe und denke so dies und das. Doch dann stoße ich immer wieder auf Schriften von Mystikern, welche meine Gedanken bestätigen. Diese Texte sind für mich dann so erhebend, weil sie Licht in dieses scheinbar so komplizerte Thema bringen.
Der chronologisch erste Gedanke zum Thema Sex fängt -wie könnte es anders sein- bei den ersten Menschen an: Adam und Eva, die laut Bibel die Ersten waren, die Kinder zeugten. Ich fragte mich, wie Gott sich denn Geschlechtlichkeit, Zeugung und Geburt vor dem Sündenfall vorgestellt hatte, lese ich doch nach dem Sündenfall von Begehren und Beherrschen und über die Folgen einer schmerzhafen Geburt.
Bei der Mystikerin Maria Valtorta (1862-1935) wurde ich dazu fündig. Sie  beschreibt, was ihr über das Leben Jesu gezeigt wird und erhält lehrreiche Diktate zu dem Erlebten. Im ersten Band (Kapitel 24) wird sie von Jesus über den Ungehorsam Evas belehrt. Er spricht davon, dass wir erst im Stand der Gnade zu Männer und Frauen werden, als die wir geschaffen wurden, ansonsten eher auf dem Niveau der Tiere leben. Die Genesis spreche vom Herrschen des Menschen über die Dinge auf Erden. Er solle über drei Bereiche herrschen: erstens den niederen, tierischen, zweitens den mittleren moralischen und drittens den höheren, den geistigen. Alle drei solle er hinrichten auf das Ziel: Gott zu besitzen und zwar durch eiserne Zucht, mit der er alle Kräfte des eigenen Ich unterworfen halte und sie in den Dienst zum Ziel hin stelle. Gott habe uns die Erkenntnis des Guten und des Bösen verboten, da wir das Böse nicht kennenlernen sollten. Der metamorphorische Baum stehe da, um die Wahrheit klar zu bezeugen. Gott hatte zu dem Mann gesagt: „Ihr kennt alle Gesetze und Geheimnisse der Schöpfung. Aber macht mir nicht das Recht streitig, Schöpfer des Menchen zu sein! Um das Menschengeschlecht fortzupflanzen, genügt meine Liebe, die in euch lebt. Ohne sinnliche Begier und vielmehr einzig durch den Herzschlag der Liebe wird sie neue Adame des Menschengeschlechts zum Leben erwecken. Alles gebe ich euch. Nur dieses Geheimnis der Erschaffung des Menschen behalte ich mir vor.“ Und die Schlange verführte Eva durch Sinnesgelüste und sie sah, dass es köstlich war, davon zu essen und gab auch Adam davon – sprich- sie hatten Sex und schämten sich anschließend wegen ihrer Nacktheit.
Nach dem Lesen dieser Belehrung tritt mir auch die Notwendigkeit der vollkommenen Keuschheit der Mutter Jesu und als neuer Eva und von Jesus als neuem Adam klarer vor Augen. Jesus wurde so gezeugt, wie Gott es ursprünglich vorhatte. Das Thema Reinheit finde ich schon einige Kapitel später in der Genesis wieder. Die Gottessöhne nahmen sich schöne Menschentöchter und zeugten mit ihnen die Riesen, die Helden der Vorzeit, heisst es dort. Und Gott sah das verdorbene Menschengeschlecht und die Tiere und es reute ihn, dass er sie gemacht hat. Meine nächste Frage lautete also: Was steht da zwischen den Zeilen? Wer sind diese Gottessöhne, was waren das für riesige Helden, groß wie Goliath (ein Überlebender?) und was hat das mit den Tieren zu tun. Bei meiner Recherche kam ich relativ schnell auf die Geschichten über die Nephilim, die Mensch-Tierwesen, die wir höchstens noch von Herr der Ringe-Filmen kennen, und die abscheulichen Blutzollforderungen der damaligen Kulturen. Auf mich macht das den Eindruck, als ob sowohl die Verrohung der Menschen, als auch die Verunreinigung der menschlichen Gene durch die Kreuzung mit Tieren Gottes Entschluss hervorrief, die ganze Menschheitsgeschichte nocheinmal mit reinem Blut und reinen Herzen zu beginnen. Vielleicht hätte sein Christus tausende Jahre später kein reines Blut mehr vorgefunden, in das er hätte inkarnieren können und vielleicht war auch genau das der Plan des Widersachers gewesen. Und da ist es schon wieder – das Thema Reinheit. Es scheint für den Heilsplan ein enorm Wichtiges zu sein.
Ich stoße auf das Thema Blutlinien und meine Frage ist: Hat meine Blutlinie sichtbare Auswirkungen auf mein Leben? Ist es egal, wer meine Erzeuger sind, ich bin in meinem Leben mein eigener Herr? Ist es belanglos, mit wem ich schlafe und mit wem ich mich fortpflanze? Als erstes fällt mir dazu das Schriftwort ein, in dem Gott spricht: „Ich werde dich segnen bis ins tausendste Glied, die Schuld deiner Väter werde ich verfolgen bis ins vierte und fünfte Geschlecht.“ Es ist also nicht egal, mit wem sich mein Blut vermischt. (Das wirft neue Frage bezüglich Blutspenden, Blutsbrüderschaft, etc. auf). Es fallen mir bekannte aristokratische Blutlinien ein, die immer unter sich geheiratet haben, um die Blutlinie rein zu halten. Auch die Israeliten sollten rein bleiben – da ist es wieder, das Wort „Reinheit“. Es gibt sogar eine satanische Blutlinie, mit der ich mich nicht weiter beschäftigt habe, die aber doch aufzeigt, dass das „Reinheitsgebot“ auch dort von größter Wichtigkeit ist. In meinem Bad habe ich einen biblischen Stammbaum von der Zeit Adams bis Jesus Christus hängen. Ich nahm mir den Stammbaum Jesu vor und zeichnete seine Blutlinie ein. Dann nahm ich mir das Buch der Chronik vor und forschte, welcher König Gott gefiel und welcher ihm missfiel. Und ratet mal, was dabei herauskam…?! Nach dem König Salomo teilte sich das Haus Israel und das Haus Juda. Unter den Königen Israels gab es keinen Einzigen, der dem Herrn gefiel. Im Stammbaum Jesu dagegen sind immer wieder gottesfürchtige Könige dabei. „Immer wieder“ und „Keine“ – das hätte ich nicht erwartet. „So hier und da einer“ war meine Prognose. Es scheinen also gute und böse Neigungen in unseren Stammbaum mit eingewoben zu sein. Das Ergebnis erweckte meine Neugier auf meine eigene Blutlinie zu schauen. Welcher Segen fließt dort seit Generationen bis zu mir und welche Lasten trage ich von den letzten Generationen mit? Ist es nicht spannend, seinen -ich nenne es „Seelenstrang“ zu kennen?
Ja und da ist sie, die Folgefrage: Was kann ich tun, um Segen für kommende Generationen zu sein und wie kann ich die „Sünden der Väter“ auflösen?  Die einfachste Antwort ist: Sühnen und ein reines Leben leben. (Doch darüber ein andermal mehr.)
„Reinheit!“ – Da ist es wieder, das uns fremd gewordene Wort. Doch wie geht „rein sein“? Ich hatte dazu ein ziemlich krasses Erlebnis: Als ich mit sechzehn einen Wallfahrtsort besuchte, bekam ich einige geistige Geschenke mit nach Hause. Eines davon überforderte mich ziemlich: Ich bekam alles mit, was in meinen Nächsten so innerlich passierte. Es ist schwierig zu beschreiben. Ich sag mal so: Ich sah alle gläsern und nahm vor allem wahr, wie sehr unsere menschlichen Aktionen Gott beleidigen. Deshalb war ich ständig am heulen, ohne sagen zu können warum. Ich hatte keine Namen dafür, was ich wahrnahm. Deshalb bat ich Gott mir dieses Geschenk wieder zu nehmen und ER tat es. Ich blöde Kuh. Heute weiss ich, dass mir diese Gabe viel (eigenen) Schmerz erspart hätte. Es bleibt mir aber die Ahnung, wie unrein wir in den Augen Gottes sind.
Ein zweites Erlebnis hat mich die immense Bedeutung von Initialisierung erkennen lassen. Initialisierung nenne ich das, wenn du eine Erfahrung machst, und eine Tür geht auf, die nie wieder geschlossen werden kann. Bis ich Achtzehn war, hat mich der auf mir ruhende Segen wohl vor einer Frühsexualisierung bewahrt. Alles Unreine in meiner Umgebung, Heftchen, Witzchen, Anzüglichkeiten prallten an meinem Gemüt ab wie Wasser auf imprägniertem Stoff. Doch an einem unvergessenen Abend lag ich in meinem Bett und plötzlich tauchte vor meinem geistigen Auge aus dem Nichts ein riesiger Phallus auf, begleitet von einem orgasmusartigen Schauer. Rückblickend weiss ich, dass es die Initialisierung der sexuellen Welt war, welche sich mir über mich ergoss. Neuland, welches erforscht werden wollte. Ein Bildersturm und ein Verstehen der Anzüglichkeiten, verbunden mit ungläubigem Erstaunen über die neuen Dimensionen und ungeahnten Tiefen meiner Mitmenschen.

Wenn ich heute sehe, mit welcher brachialen Gewalt versucht wird, die unschuldigen Kinder sexuell zu initialisieren, sehe ich Satans Handschrift. Wie damals bei Eva versucht er alle und jeden in seine abnormale, schmutzige, tierische Sexualität hineinzuziehen und jede Reinheit zu zerstören. Darauf gibt es nur eine Antwort: unser Gebet zum Schutz der Kleinen, dass an ihnen -wie bei mir damals- der ganze Schmutz abperle und unsere Kampfansage durch sühnende Reinheit in unserem eigenen Leben aber ebenso Licht in die schmutzigen Machenschaften hineinbringen und an die Öffentlichkeit tragen.
Plötzlich liegt mir die Antwort der ersten Fragen frei auf dem Herzen:
Kann man, soll man, muss man als Gott geweihter Mensch enthaltsam leben? – Ja, ja und nochmals ja. Reinheit so klar wie Quellwasser, nicht initialisierte, gottgeweihte jungfräuliche Menschen, die freiwillig und aus ganzem Herzen das leben, was ursprünglich war, und so sühnen und wieder herstellen.
Und muss ein Priester allein Gott geweiht sein? Kann er nicht Frau und Kinder haben wie anderswo üblich?Enthaltsam reicht nicht. Er muss rein sein. Je reiner, desto besser für uns alle. Er ist als Sakramentenspender der Stellvertreter Christi, welcher ein männliches, unverheiratetes, einwandfreies, reines Opferlamm war.
Warum dürfen neue Partner zwar zusammen wohnen, aber nur zur Kommunion gehen, wenn sie enthaltsam leben? Ist es wirklich allein die sexuelle Enthaltsamkeit, die einen Geschiedenen würdig macht die Kommunion zu empfangen? – Der sakramentale Charakter der katholischen Kirche ist ein Thema, (über welches ich mich als Nächstes ausgiebiger auslassen werde.) Dass aber Reinheit ein grundlegendes Element beim Empfang eines jeden Sakramentes ist, das wird wohl niemand bestreiten.
Rein heisst „im Stand der Gnade“, rein heisst „in der göttlichen Ordnung“, rein heisst „licht und hell“. Aufgrund meines Erlebnisses weiss ich, dass fast alle ziemlich unrein herumlaufen und wir tun gut daran, einmal innezuhalten und Gott zu fragen: „Wie siehst du mich? Zeige mir meine Unreinheit, damit ich sie  durch Jesu kostbares Blut rein waschen lassen kann.“
Also nochmal: Was ist so unglaublich wichtig am Sex, dass sich scheinbar alles darum dreht?  – Es ist die Ursünde und sie wird nur durch Reinheit besiegt werden.

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